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[Autoreninterview] Patrick Wunsch



Hallo Patrick,


vielen Dank, dass du mit mir dieses Interview führst. Fangen wir doch direkt an.
Möchtest du dich selbst kurz vorstellen?

Mein Name ist Patrick Wunsch, 32, aus Bielefeld. Mein Debütroman Zeichen von Herbst kam im Januar heraus, im April soll Gegenlicht folgen. Neben der Literatur mache ich Musik (als Sänger bei träumen von aurora und als Keyboarder bei Beyond Martian Skies) und entwickle Spiele (Game Master und Game Master Plus). 

Wenn ich deinen besten Freund nach deinen Stärken und Schwächen fragen würde, was würde er wohl antworten?


Wahrscheinlich, dass ich auf meine Projekte fokussiert bin – also kreativ und fleißig –, mir aber nicht immer die Zeit für soziale Kontakte nehme, die ich mir nehmen sollte. Ich glaube, meine Freunde haben Verständnis für diese Lebensweise, würden aber gern mal wieder etwas unternehmen, ohne dass ich dabei ständig auf die Uhr sehe. Ansonsten hoffe ich, dass man mich für witzig, verlässlich und vielseitig interessiert hält, und fürchte, dass auch Adjektive wie kühl, stur und ungeduldig in der Beschreibung vorkommen könnten.




Du bist ja neben deiner Arbeit auch als Musiker und Spieleentwickler aktiv. Hast du da selbst Zeit zu lesen, oder bist du eher ein Lesemuffel?


Ich lese täglich, aber nicht so viel wie manch anderer. Lesen ist Teil meiner To-do-Liste, an die ich mich konsequent halte. Ich lese eine bestimmte Anzahl Kapitel oder Seiten, je nachdem, was besser zu meinem angestrebten Pensum passt. Viele andere Leser können nicht nachvollziehen, dass ich – abgesehen von ein paar wenigen Ausnahmen – an dem Punkt aufhöre, egal, wie spannend es gerade sein mag.


Wenn du liest, welches Genre liest du am Liebsten und hast du ein absolutes Lieblingsbuch?

Mich interessieren vor allem Romane mit einer gewissen kulturellen Relevanz, also Klassiker oder zeitgenössische Werke, die in irgendeiner Weise bedeutsam sind. Das kann sich in Gesellschaftskritik äußern wie bei Houellebecq oder, erst kürzlich recht medienwirksam erschienen, dem Debütroman von Marion Messina, das kann aber auch einfach ein Buch sein, über das alle sprechen, wie damals Feuchtgebiete. Reine Unterhaltungsliteratur, die keine großen Wellen geschlagen hat, findet man in meinem Regal nur vereinzelt.



Magst du uns den heiligen Ort zeigen, an dem du deine Worte zu Papier bringst?


Bitte sehr.




Dein erstes Buch „Zeichen von Herbst“ ist ja im Januar 2020 erschienen. Wann und wo kam dir die Idee zu diesem Buch? Hattest du die Geschichte zu Beginn schon komplett in deinem Kopf oder hat sich die Story während des Schreibens entwickelt?


George R. R. Martin soll in einem Interview gesagt haben, Autoren seien entweder Architekten oder Gärtner. Der Architekt plant, bevor er sich ans Werk macht, während der Gärtner eine Grundlage schafft – quasi aussät – und selbst gespannt ist, wie sich die Geschichte durch logische Konsequenzen und spontane Einfälle entwickeln wird. Ich zähle mich zur ersten Kategorie, auch wenn ich nicht jedes Detail geplant habe, die eine oder andere Idee spontan hinzugekommen ist, sich einige Elemente im Laufe der Zeit mehr oder weniger stark verändert haben und vieles irgendwann zwischen Erstentwurf und Veröffentlichung wieder gestrichen wurde.



Hast du selbst ein Lieblingszitat aus diesem Buch für uns?


Iris von Hardenberg sagt am Ende ihres Kapitels: »Alle neuen Erlebnisse müssen sich an den schönsten Erlebnissen der Vergangenheit messen lassen.« Ich weiß nicht, ob ich, wie sie, deshalb zur Mäßigung raten würde, aber diese Orientierung an vergangenen Erlebnissen scheint mir bei manchen Menschen stark ausgeprägt und rechtfertigt eine entsprechende Mahnung. Ein passendes Nietzsche-Zitat kommt mir in dem Kontext ebenfalls in den Sinn: »Hast du eine große Freude an etwas gehabt, so nimm Abschied! Nie kommt es zum zweiten Male.« Ich finde, man sollte immer nach vorn schauen und offen sein für Alternativen, statt die bloße Wiederholung von Vergangenem anzustreben.



Wie entstehen denn deine Cover? Wirkst du selbst mit?

 

Die Artworks stammen von einer talentierten Freundin, die unter dem Namen Drowned Orange als Illustratorin tätig ist. Mein Beitrag besteht in den Ideen zu den Motiven und dem Layout. Ich mag es minimalistisch und whitespacelastig und habe mich ein wenig von diesen Palahniuk-Taschenbuchcovern inspirieren lassen. 


Hast du mit diesem Buch auch den Weg zu einem Verlag gesucht oder wolltest du von Anfang an als Selfpublisher durchstarten?


Ich wollte zunächst den konventionellen Weg einschlagen. Dabei hätte es aber wahrscheinlich nicht in meiner Hand gelegen, ob und, wenn ja, in welcher Gestaltung Gegenlicht erscheint. Es war mir wichtig, dass die beiden Bücher als komplementäre Werke erkennbar sind und im Bücherregal nebeneinander gut aussehen. Wie die Nektar-Alben von Nocte Obducta oder – und das ist ernst gemeint – Pokémon-Editionen. Dieses Grundkonzept wollte ich um keinen Preis aufgeben.


Was macht dein Buch deiner Meinung nach so besonders, dass man gerade zu deinem greifen sollte?


Zeichen von Herbst mag eine recht originelle Handlung haben, die Themen sind aber von allgemeiner Relevanz. Stilistisch bewegt sich der Roman irgendwo zwischen Houellebecq, Murakami und klassischer Literatur, und ich würde behaupten, dass man eine solche Mischung aus zynischen, melancholischen und wortgeschliffenen Passagen selten findet. Über Empfehlungen würde ich mich freuen!


Im April erscheint ja bereits dein nächster Roman „Gegenlicht“. Hast du da bereits mehr Informationen dazu für uns?

Es handelt sich um ein thematisches und stilistisches Komplementärwerk zu Zeichen von Herbst, das ohne Weiteres zuerst gelesen werden kann. Es gibt einige Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede zum Vorgänger – man kann es vielleicht vergleichen mit Faldbakkens Skandinavischer Misanthropie. Es geht in Gegenlicht um die gemeinsame Reise der beiden Protagonistinnen, deren Lebensstile sich stark voneinander unterscheiden. Vor diesem Hintergrund wird viel diskutiert, über zeitlose und aktuelle Themen, und viel Komisches und Tragisches erlebt.

Was dürfen wir zukünftig noch für Werke von dir erwarten?


Ich habe eine ganze Menge Ideen und Notizen zu meinem nächsten Roman. Stilistisch bleibe ich bei zynisch-melancholischer Gegenwartsliteratur. Es würde mich allerdings auch reizen, mich irgendwann einmal an anderen Genres zu versuchen.



Gibt es noch etwas, was du uns selbst gern von dir erzählen möchtest?


Die wichtigen Dinge, meine Projekte, habe ich ja bereits genannt. Was könnte ich sonst noch über mich sagen? Ich bin INTJ, mag Katzen, trinke meinen Kaffee mit Milch und finde, jeder Monat sollte genau 30 Tage haben. Die übrigen fünf Tage nennt man »zwischen den Jahren«, da hat man dann frei.


Vielen Dank für deine tollen Antworten! Wenn ihr noch mehr über Patrick erfahren möchtet, schaut doch einfach auf seiner Homepage vorbei.

1 Comment

  1. karin

    4. April 2020 at 16:48

    Hallo Charleen,

    hm, schaut, aber gar nicht wie 32 Jahre aus der Autor oder?
    Hat sich gutgehalten….grins..

    LG..bleib gesund..Karin..

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