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Release-Party zu “Emotiondancer“ von E. F. v. Hainwald

Hallo ihr Lieben! Emotiondancer Emotiondancer Emotiondancer

Ich bin total aufgeregt. Heute ist der große Tag! Das Konzert beginnt in einer Stunde und ich habe das große Glück, dass ich vorher Janica höchstpersönlich treffen darf! Ich habe ein Meet&Greet mit ihr gewonnen.

Ja genau, Janica – die großartige Sängerin!

Ihr dürft mich dabei selbstverständlich begleiten, denn mal ganz unter uns – wen von uns begeistert sie nicht? Keiner kann die Massen mehr begeistern und glücklicher stimmen. Ich liebe sie einfach.

Leider spielt das Wetter so gar nicht mit, denn es regnet in Strömen. Deswegen bin ich in einen langen Mantel gepackt und trage einen breiten Regenhut – total chic, wie ich finde.

Die Sängerin erwartet mich gleich dort vorne an der Kreuzung, direkt vor der Konzerthalle. Durch den Regen schimmert unsere Stadt wie ein großes Juwel. Janica trägt einen kurzen Regenmantel, darunter blitzt ein Kleid hervor. Ihr langes, blondes Haar schimmert im Licht der Hologramme. Sie dreht sich zu mir um, vermutlich hat sie meine Aufregung gespürt – das ist mir etwas peinlich, aber vor dem Cybernet braucht man sich ja nicht zu verstecken.

Nun aber schnell, nur noch ein paar Schritte trennen uns!

»Hallo Janica! Oh mein Gott! Oh, entschuldige bitte, ich bin Charleen und total aufgeregt«, begrüße ich sie euphorisch.

Sie lächelt mich verständnisvoll an.

»Das ist doch kein Problem. Normalerweise stehst du in der Menge der Konzerthalle, nicht im Regen auf einer Straße vor mir.« Lachend streckt sie die Hand aus und lässt die Tropfen auf ihre ausgestreckte Handfläche prasseln. »Normalerweise erreicht uns der Regen hier im Stadtzentrum nicht. Es muss draußen im Schorf wirklich stürmisch sein.«

»Ja, es ist sehr untypisch. Ich habe mir da drüber vor Aufregung noch gar keine Gedanken gemacht. Warst du schon einmal selbst im Schorf?«, frage ich sie neugierig.

Meine Anspannung fällt etwas ab – sie wirkt so … normal.

»Ich? Nun, ja – aber das ist Jahre her. Es gibt keinen Grund für mich, Skyscrape zu verlassen. Es gibt überall wunderschöne Parks und jede Stadtebene ist ein Abenteuer für sich, nicht wahr?« Sie legt ihren Kopf schräg. »Wollen wir spazieren? Ich weiß, eigentlich sollte dieses Fan-Treffen in einem Café draußen stattfinden, aber wir müssen wohl etwas flexibel sein.«

Ohne auf meine Antwort zu warten, läuft sie einfach los. Ich folge ihr natürlich, denn ich möchte noch so viel mehr über sie erfahren.

»Ich mag Skyscrape und in deinen Worten liegt so viel Wahrheit. Es gibt so viele verschiedene Orte, die ich wunderschön finde und mich faszinieren. Hast du einen Lieblingsort?«, frage ich sie ganz offen und voller Neugier.

»Hmmmmh, eine schwierige Frage.« Sie tippt mit dem Zeigefinger gegen ihr Kinn. »Eigentlich gibt es den nicht wirklich – ich kann jeden Platz zu meinem Lieblingsort machen. Oder würdest du nicht sagen, dass du bei einem Konzert von mir immer das Gefühl hast, genau an dieser Stelle richtig zu sein?«

Sie richtet den Blick ihrer smaragdgrünen Augen auf mich. Ein Gefühl der Geborgenheit durchströmt mein Herz. Unwillkürlich beginne ich tief durchzuatmen und eine wohlige Wärme flutet meine Gliedmaßen.

»Doch, das schaffst du immer wieder auf’s Neue. Du bist so ein wundervoller und einzigartiger Mensch! Ich bin wirklich froh, dass ich dich heute treffen darf.«, schwärme ich, während die Emotionen in mir stürmen. »Wie geht es dir eigentlich damit, dass die Leute so auf dich reagieren? Bist du stolz darauf? Oder ist es für dich nichts Besonderes mehr?«

Plötzlich stoppt sie. Janicas Lächeln verschwindet einen Moment, doch dann taucht es erneut auf.

»Ich bin überrascht. Normalerweise sind solche Fan-Treffen immer gleich. Du interessierst dich aber offenbar nicht nur für meine Ziele als Künstlerin – sondern auch für meine Person.« Sie läuft weiter und scheint nachdenklich. »Die Menschen reagieren auf mich, wie ich es mir wünsche. Es ist also keine Reaktion, die aus ihnen selbst heraus kommt.«

Plötzlich wird mir schlagartig kalt. Ekel dreht mir den Magen um und ich muss würgen.

»Siehst du?« Janicas Stimme klingt plötzlich beißend, obwohl das gar nicht sein kann. Im nächsten Moment verschwinden diese schrecklichen Emotionen und es geht mir wieder gut. »Wie kann ich also stolz darauf sein?«

Erschreckend wird mit klar, wie ausgeliefert ich Janica und ihren Gefühlen eigentlich bin. Nervosität ergreift mich, denn das Gespräch verläuft ganz anders, als ich vorher erwartet habe. Ich möchte mich lieber wieder erfreulicheren Themen widmen, übergehe daher ihre Frage und überlege kurz.

»Hmm. Man weiß ja bereits viel aus den Medien über dich. Gibt es etwas, was du gern erzählen möchtest, was nicht jeder weiß? Keine Sorge, ich erzähle es auch niemanden!“

»Oh, das erlebst du gerade. Schau dich um«, antwortet Janica und zieht mir einer Handgeste einen großen Bogen um sich. »Niemand stört uns. Normalerweise würde jeder versuchen, mit mir zu sprechen, schließlich bin ich recht bekannt. Dennoch können wir uns ungestört unterhalten. Das mache ich oft so – wie soll ich sonst in Ruhe einkaufen gehen oder einen Spaziergang machen? Freunde treffen?« Sie lächelt milde. »Keiner von euch weiß, dass ich oft unter euch weile. Ihr ignoriert mich, aber ich bin da und nicht nur in einem gläsernen Turm im Luxusrausch.«

Ich schau mich um und tatsächlich – niemand beachtet uns. Alle gehen an uns vorüber, widmen uns keinen einzigen Blick.

»Verrückt! Davon habe ich noch nie etwas gehört. Von niemanden, der so etwas kann. Ich kann aber vollkommen verstehen, warum du das tust. Mir ist Zeit allein auch wichtig, sonst fühlt man sich irgendwann erdrückt. Aber wie machst du das?«, frage ich immer noch erstaunt.

»Ich halte ein Konzert«, erwidert sie. Ihr Blick trifft mich durch einen Vorhang aus glitzernden Regentropfen. »Nur ohne Gesang. Ein Orchester meiner eigenen Gefühle. Da mir alle anderen egal sind, strahle ich das aus – und dadurch bin ich ihnen ebenfalls gleichgültig.«

»Das bedeutet … ich bin dir nicht egal?«, frage ich mit einem glücklichen Grinsen.

Janica wiegt ihren Kopf hin und her.

»Nun, wenn man mit jemanden ein Gespräch führt, dann ist der gegenüber einem niemals vollkommen gleich, oder nicht?«

Schnell sind meine unguten Gefühle vergessen. Janica lässt sie mich vergessen und ich verfalle wieder ihrem Charme.

»Janica, du bist einfach die tollste Frau in diesem Universum! Apropos Konzert«, ich schaue auf die Uhr. »Müssen wir nicht langsam zurück? Das Konzert beginnt in weniger als einer halben Stunde und du musst dich doch bestimmt noch vorbereiten.«

»Ach, gar kein Problem«, sie winkt ab, »Unser Gespräch war meine Vorbereitung. Aber lass uns zurückschlendern – falls du noch eine letzte Frage hast, dann raus damit.«

»Da brauche ich nicht lange überlegen, denn eine Frage habe ich tatsächlich, über die ich jedes Mal nachdenke, wenn dein Konzert zu Ende geht. Bist du glücklich?«

Ein kurzer Gefühlsblitz durchzuckt mich.

Erkenntnis. Nein, mehr.

Schreckliche Erkenntnis.

»Was…?«, murmele ich, doch Janicas makelloses Lächeln bringt mich zum Verstummen.

»Glücklichsein stand niemals zur Debatte«, antwortet sie mir in einem spöttischem Tonfall. »Manche Dinge sind wichtiger als dieser niederer Instinkt.«

Mit diesen Worten fällt von mir das Gefühl der Glückseligkeit ab und nur Leere bleibt zurück. Meine Schritte verlangsamen sich, bis ich ganz stehenbleibe. Janica läuft weiter auf die große Konzerthalle zu.

Allein bleibe ich zurück – und andere Gefühle durchströmen mich.

Meine Gefühle.

Nachdenklich ziehe ich mein Holo-Telefon aus der Tasche, öffne meine Mails und das Ticket des heutigen Konzerts. Kurz überlege ich, ob ich es löschen sollte. Doch dann schließe ich es wieder und laufe ebenfalls zur Halle, denn ich wusste, dort würde mich nur eines erwarten, auch wenn Janica das irgendwie anders zu betrachten schien:

Absolute Glückseligkeit. 

 

 

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1 Comment

  1. karin

    22. Oktober 2020 at 10:22

    Hallo liebe Charleen,

    cool Deine Begegnung mit der Sängerin, aber trotzdem irgendwie unheimlich oder?

    LG…Karin..

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